Net Nerven!

Geistiger Duennschiss – fein portioniert!

Allgemein

Von Nafris, Piefkes und sonstigen Wörtern

Hahaha, erst kurz vor Weihnachten schrieb ich noch über politische Korrektheit, schon ist das Thema das vorherrschende in den aktuellen Medien.

Die Abkürzung „Nafri“ soll rassistisch sein? Haha, das muss man sich mal vorstellen! Das ist dermaßen unglaublich, dass man echt nur seinen Afro-Look schütteln kann – sofern man einen hat.
Und Afro-Look ist nicht rassistisch, hab extra die allwissende Müllhalde befragt.

Wenn mich ein Piefke als Ösi bezeichnet reg ich mich ja auch nicht auf. Oder umgekehrt. Naja, wobei „Piefke“ in dem Sinn wohl doch eher abwertend gemeint ist, aber „Ösi“ als Abkürzung durchgehen könnte. Beide Wörter stehen übrigens im Duden.

Gab es eigentlich ein Statement von irgendjemanden aufgrund dieser Schlagzeile der Bild-Zeitung: Dösis! Elfer verballert & raus? Könnte mich nicht erinnern. Ich kann mich aber erinnern, dass es ziemlich jedem (D)Ösi wurscht war. Nicht zuletzt weil die Bild eben die Bild ist.

Richtig abwertend wird es meiner Meinung erst, wenn man jegliche Bezeichnung einer Gruppe als Begründung für die Abwertung heranzieht. Wenn ein Mensch ein Arschloch ist, dann ist er ein Arschloch – unabhängig von Herkunft, Religion oder Hautfarbe.
Sagt mir zum Beispiel jemand dass ich ein Arschloch wäre, dann wird das vermutlich relativ einfach begründbar sein. Aber wenn mich jemand als Arschloch bezeichnet, weil ich Österreicher bin, dann wird’s schnell ungemütlich. Für denjenigen. Ein Einlauf mit dem Sandstrahler ist ratzfatz verabreicht. Oder ein Futtspitz.

Eine kleine Anekdote von einer größeren Geburtstagsfeier in Österreich vergangenen Sommer, bei der ich fast niemanden kannte:
Zuvor sei noch erklärt, dass ich seit meiner wirtschaftlich begründeten Asylflucht nach Deutschland vor einem Jahr in meiner alten Heimat fast durchwegs als „Piefke“ bezeichnet werde.
Zu fortgeschrittener Stunde steh ich beim Zapfhahn und quetsche mir ein goldenes Wässerchen aus Salzburg ins dafür vorgesehene und bereits eingetrunkene Glas. Da höre ich plötzlich hinter mir jemanden rufen: „Haha, da Piefke is a do.“
Vorsichtig (der geübte Trinker weiß um die Verschüttgefahr bei ruckartigen Bewegungen!) drehte ich mich um, um zu sehen wer mich denn kannte. Zu meinem Erstaunen oder meiner Enttäuschung stellte ich fest, dass der Ausruf nicht mir, sondern einem waschechten Deutschen galt, der seit einiger Zeit in Österreich lebt. So waschecht, als dass er wirklich aus dem Osten, also einem Teil Preußens kam. Und es wird ja gemutmaßt, dass der Begriff „Piefke“ seinen Ursprung in Preußen hat: Wikiklick.

Da stellte ich mir erstmalig bewusst die Frage, ob „Piefke“ eine Pauschalbezeichnung der Ösis für alles und jeden ist, der auch nur irgendwas mit Schland zu tun hat.

Als derzeitiger Entwicklungshelfer in NRW bin ich natürlich auch bemüht, meinen piefkonischen (oder auch „piefkinesischen“) Freunden und Kollegen die Gepflogenheiten der österreichischen Sprache näherzubringen bzw. einzutrichtern.

Das Erste war natürlich das P-Wort.
Dann muss man denen auch mal erklären, dass eine „Tüte“ etwas zu rauchen ist, ein „Sackerl“ hingegen die Bezeichnung für jegliche Transportbeutel. Meistens aus Kunststoff. (Hatte da ja mal einen missverständlichen Dialog mit dem Psychopunch-Merchandiser Axel.)
Einfach auch zu erläutern, warum eine „Semmel“ so heißt wie sie heißt: Weil sie eine ist! Und kein „Brötchen“.

Das wären zumindest mal die grundlegenden Sachen, die man täglich braucht.

Ebenso musste ich bereits erklären, was eine „Jause“ (Zwischenmahlzeit), „Klammermaschine“ (Tacker) oder ein „Leuchtstift“ (Textmarker) ist.

Bei weniger oft gebräuchlichen Begriffen wie „Karfiol“ (Blumenkohl), „Melanzani“ (Aubergine) oder „Ribisel“ (Johannisbeere) muss ich selber oft nachdenken, was jetzt welche Sprache ist. „Marille“ wird von den Deutschen ja auch eher „Aprikose“ genannt.
Wundert mich eigentlich eh, dass wir Schluchtenscheißer gefühlt besser über die Piefke Bescheid wissen, als umgekehrt. So wäre zumindest mein subjektiver Eindruck.
Kann aber natürlich auch sein, dass ich sehr an anderen Kulturen, Bräuchen und Dialekten interessiert bin.
Ich fand es auch in der Schule spannend, im Englischunterricht uns neue und unbekannte englische Wörter auf Englisch erklärt zu bekommen oder anderen Schülern erklären zu müssen, als sie einfach plump ins Deutsche zu übersetzen.

Irgendwie bin ich ein wenig abgeschweift (hab grade überlegt, ob es vielleicht „abgeschwiffen“ heißt – fände ich cooler das Wort), deswegen abschließend noch ein treffender Kommentar von Frau Monika Gruber auf ihrer Facebook-Seite bzgl. des Eingangsthemas:

Ach, ja….und zur GRÜPRI (= Grünen-Pritschn), Simone Peter, möchte ich gern sagen (leider bin ich heiser): Wenn sie die Abkürzung „Nafri“ für „Nordafrikaner“ schon für entmenschlichend hält, dann sollte sie vielleicht mal ein paar Joints weniger rauchen und ihren dürren Veggie-Hintern aus ihrer gepanzerten Dienstlimousine schieben und sich ein bissl in der Welt umschauen, dann würde sie feststellen, dass z.B. wir Bayern vom Rest der Republik als „Seppls“ verspottet und die Österreicher von uns „Schluchtenscheisser“ genannt werden, unsere ostdeutschen Mitbürger sich von „Ossi“ bis „Zonen-Zombie“ alles gefallen lassen müssen, die Engländer uns sauerkrautfressende Deutsche als „Krauts“ und die Franzosen uns als „boche“ (Holzköpfe) oder in guter alter Nazi-Tradition als „Fritz“ bezeichnen…..die Liste liesse sich beliebig lange fortsetzen. Aber wahrscheinlich wäre es Frau Peter lieber gewesen, es wären wieder genauso viele Frauen ausgeraubt und sexuell belästigt worden wie im letzten Jahr, denn offensichtlich haben wir „DEUSCHLA“ (Deutschen Schlampen) ja nichts anderes verdient….wobei ich jetzt nicht ALLE deutschen Schlampen unter Generalverdacht stellen möchte, hüstel. Wo bleibt eigentlich die von solchen Weibern so viel zitierte weibliche Solidarität? Aber I derf mi ned aufregen, das macht Falten und davon hab ich bereits genug!

Trifft es eigentlich auf den Punkt und deswegen füge ich da gar nichts mehr hinzu. Außer, dass man sich öfter mal entspannen und eine gepflegte „Hüsn“ (Bier) „zupfen“ (trinken) soll.

3 Comments

  1. Blackie

    Viele wahre Worte. Wie immer. Oder meistens.

    • chefgue

      Danke!

      Viel Spaß heute am Sommerfest. Kann dieses Jahr (=heuer) leider nicht dabei sein.

  2. SchluchtenscheißerIN

    Schlimm eigentlich, wenn ein „Kropfata“ (Steirer) zu die „Stierwoscha“ (Salzburger) fährt, sich dort ein Bier von „Mostschädln“ (Oberösterreicher) bestellt und im Suff einen Burgenländerwitz erzählt, über den nur die „Gscheadn“ (Wiener) lachen können. Dafür ärgert sich ein „Xiberger“ (Vorarlberger) über die Aussage des Nachbarbundeslandes „bisch a Tiroler, bisch a Mensch, bisch koa Tiroler, bisch a Oasch“.
    Da pflegt der „Nordslowene“ (Kärntner) lieber seinen Jörg Haider Schrein und feiert den Fasching (Karneval) wie sonst kein Ösi. Lei Lei!
    Somit bleibt mir als Neandertaler (Niederösterreicher) nur mehr zu sagen: Scheiß auf die Sprachzensur, es lebe die Vielfalt!

Leave a Reply

Theme by Anders Norén