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Geistiger Duennschiss – fein portioniert!

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Katzenzaun

Es begann eigentlich ganz harmlos einige Tage vor einem meiner letzten Österreichurlaube, als mich ein Kumpel anschrieb, dass sein Schwager was bestellen möchte, die Firma aber nicht nach Österreich liefert.
Klar kann er’s zu mir nach Deutschland liefern lassen, und ich schick es dann weiter. Kostet ja nur läppische rund 20 Euro, so eine Paketweiterleitung.

Dann bekam ich noch den Link zu dem Artikel, bei dem irgendwas von einem unsichtbaren Katzenzaun stand.

Einen Tag später und einen Tag vor meinem Flug war das Paket dann da. Nach kurzer Abschätzung der Größe bzw. dem erfolgreichen Versuch, das Teil ins Handgepäck zu stopfen, meinte ich, dass ich das ja selber mitnehmen könnte, dann sparen wir uns den Versand.

Ich begutachtete die Verpackung, was da alles drinnen ist und las etwas von zwei Akkus, was natürlich die Frage aufwarf, ob man Akkus in ein Flugzeug mitnehmen darf.
Kurze Recherche über den Akkutyp (RFA-188). Der wird anscheinend nur für dieses Teil hergestellt, aber sollte – sofern nicht eingesetzt oder verbaut – kein Problem fürs Handgepäck sein.

Donnerstag mittags machte ich mich auf den Weg zum Konrad-Adenauer-Flughafen und begab mich zum Security Check.
Kurzer Blick zu den Kontrollen, drei Schleusen mit drei völlig unterschiedlichen Bediensteten sind geöffnet: Eine Dame mittleren Alters, ein älterer, konservativ wirkender Typ und ein ca. 25-jähriger 1,90 Meter Kerl vom Typ Private Paula.

Ich entschied mich für letzteren, da ich bei ihm das größte Verhandlungspotenzial zu erkennen meinte.

PP: „Laptop? Tablet? e-Reader?“
Ich: „Jop, und noch dieses Teil…“ – und nahm die Schachtel aus der Tasche.

Dem Typ gingen die Augen auf und er stellte unweigerlich die Frage, was das wäre. Ich versuchte sachlich (und ohne Ahnung) zu erklären, dass das ein unsichtbarer Katzenzaun wäre. Man legt da einen Draht ums Grundstück, der kommt ans Stromnetz, die Katze kriegt ein Halsband mit einem Sensor und wenn sie den Draht (der idealerweise ein paar Zentimeter unter der Erde ist) überschreitet, wird sie frittiert – sofern sie weniger als 2,4 Kilo wiegt. Bei größeren Kalibern dürfte es bei einem Stromstoß bleiben, welcher das Vieh davon abhalten soll, das Grundstück zu verlassen.

Mr. Security inspizierte die Verpackung und meinte, er klärt das kurz. Die Passagiere hinter mir wurden zu anderen Kontrollen verwiesen, er ging zu zwei seiner Kollegen und ich merkte, wie ich von denen gemustert werde. Ich versuchte höflich, aber nicht zu debil, zu grinsen und wartete geduldig.

Als nach kurzer Zeit der Kontrolleur wieder zu mir kam, erklärte er mir, dass es von seiner Seite aus in Ordnung wäre, aber er noch von der Polizei das OK einholen muss.

Kurzer Blick auf die Uhr: noch 20 Minuten bis zum Boarding. Dann schossen mir unweigerlich einige Fragen durch die Birne:
Was, wenn das Zeug nicht ins Handgepäck darf? Das Teil kostet 200 Euro, das Aufgeben eines Gepäckstück geschätzte 40 Euro. In den Müll damit? Ich muss den Flug nehmen, darf den nicht verpassen. Geht es sich zeitlich aus, das Ding am Schalter aufzugeben? Werde ich verhaftet? Das Ding gehört ja nicht mal mir.

Der Sec-Typ kam dann mit zwei Flughafencops wieder und ich musste alles nochmals erklären. Irgendwann meinten sie, das Zeug gehört sowieso mal gescannt, also schickten sie es durch das Röntgen(?)ding. Ich darf dann auch endlich durch den Scanner und warte dann dahinter auf das weitere Vorgehen.

Die Cops inspizieren die am Monitor angezeigten Bilder, kommen mit der Packung dann zu mir und meinten dass ich das wohl öffnen müsse. Gut, kein Problem (ist ja nicht meines), und ich öffne den Karton. Darin befand sich das Gegenteil einer Frustfreiverpackung. Also ein eingeschweißtes Plastikding, in dem sich das gesamte Zubehör befand. Ich zerfetz das, die Teile fliegen nur so raus und dann standen wir vor dem Trümmerhaufen an Elektrozeug.

Dann ging die Erörterung dieses Dings los. Mit einem Polizisten blätterte ich die Gebrauchsanweisung durch. Das erste, was er wissen wollte, ob es sich um eine deutsche Firma handelt. Denn bei chinesischer Ware wär’s direkt mit Handschellen in den flughäflichen Vergewaltigungsraum gegangen. Vermutlich. War aber eine Ami-Firma, somit in der Grauzone.

Als dann die einzelnen Komponenten begutachtet wurden, befand sich natürlich auch der Draht darunter, welcher rund 150 Meter lang ist.

Dann ging es darum, wie das Teil funktioniert. Zu dritt haben wir uns so tief in das Thema eingearbeitet, dass ich überlegt habe, das Teil dem Bekannten meines Kumpels gegen einen kleinen Obulus zu installieren.

Nach ca. 10 Minuten Diskussion und 20 Entschuldigungen sowie Versprechen das Flugzeug nicht zu sprengen und so etwas nie wieder ins Handgepäck mitzunehmen, drückten die Beamten ein Auge zu und winkten mich tatsächlich durch.

Ich konnte mein Glück einerseits kaum fassen, auf der anderen Seite bin ich verblüfft darüber, dass Nagelscheren oder -feilen abgegeben werden müssen (siehe hier) und ich mit dem (gar nicht so) unsichtbaren Katzenzaun durchkam.
Auch waren so ca. 25 cm lange Drahtstifte dabei, um den Draht in der Erde zu fixieren. Stricknadeln: verboten.

An dieser Stelle ein ernst gemeintes, herzliches und riesiges DANKESCHÖN an die Bullen und allen beteiligten Sec-Check-Typen am Flughafen!

Und hier das Zeug:

1 Comment

  1. Blackie

    Was es nicht alles gibt. :-)

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