Neulich verspürte ich in der Firma ein vertrautes Grummeln in der Wampe, was mich dazu brachte, die stillen Örtlichkeiten aufzusuchen.

Bei uns gibt es zum Glück komplett verschlossene Häusln, also keine Trennwände, die oben und unten offen sind, sondern robuste Kackkammern. Davon zwei nebeneinander.

Man muss dazusagen, dass ich es auch schon anders erlebte. Da waren die zwei sogenannten halb offenen Kabinen, bei denen kein Zweiter kacken ging, wenn eine davon besetzt war. Man will unter Kollegen dann doch ein wenig Privatsphäre genießen, wenn das Essen vom Vortag unter donnerndem Gepolter den Körper wie eine Seele nach dem Tod verlässt.

Jedenfalls bin ich jetzt in der glücklichen Lage, einigermaßen diskret das Geschäft zu verrichten.

Worauf ich aber achte: dass ich den Lokus nicht zeitgleich mit dem unbekannten Kotkumpel verlasse.
Mich interessiert weder, wer seinen Haufen neben mir aus dem Gedärm presst, noch will ich beäugt werden, wenn ich sichtlich erschöpft aus der Residenz schreite.

Somit hab ich für mich die Regel gesetzt: Erst die Hütte verlassen, wenn draußen Stille herrscht. Das gilt auch für einen etwaigen Schiffer, denn neben den beiden Thronkammern gibt es auch noch ein Pissoir.

Doch in den letzten Tagen gab es folgendes Szenario: Ich betrete das Scheißhaus, eine Kabine ist besetzt, ich benutze die andere und beginne mit dem üblichen Prozedere: völlig entkleiden, setzen, Bier öffnen, entspannen, auswerfen und dabei verschiedene Spiele am Handy spielen.

Nach etwa fünf Minuten vernehme ich, dass sich der Nebentyp beginnt, zu reinigen. Also unten rum denk ich mal. Zumindest mehrfach Klopapier abgerollt, wisch wisch. Stille. Und genau diese Stille nach dem Vorgang machte mich stutzig. Nach etwa einer halben Minute Stille wird gespült und ich denk mir: Passt, hau doch ab.

Doch dann: wieder Stille nebenan. Normalerweise achtet man da ja auch auf Ankleidungsgeräusche wie Hose hochziehen, Gürtelschnallenklimpern, Reißverschlusszippen… irgendwas. Aber da war nix.

Plötzlich ging es wieder los mit dem Abrollen vom Shitpaper. Danach Stille. Dann  erneut die Spülung. Und wieder… Richtig – Stille.

Instinktiv beginnt man da ja zu grübeln, wer das sein könnte. Denn so viele Kollegen gibt’s in dem Einzugsbereich der Presshütte ja nicht. Etwa 30 denke ich. Und da ich am Weg zum Klo ja sah, wer in seinem Büro bzw. sonst wo saß, konnte ich schon mehr als die Hälfte ausschließen.

Ich schätze, es waren mittlerweile zehn Minuten vergangen und mir wurde das zu blöd.

Und genau dieses Grübeln bzw. die Neugier musste ich dann ausschlachten: Ich hab den Stuhlgang ziemlich zügig beendet, alles ordnungsgemäß erledigt und bin aus der Kackabteilung raus.
Glücklicherweise befindet sich am Weg vom Klo zu meinem Büro ein Aufenthaltsbereich, in dem ich mich unauffällig hingesetzt habe und wartete, welcher unfähiger K(l)ollege das war.

Da kam dann ein anderer Kollege vorbei, dem ich die Story kurz erzählt habe. Dabei weckte ich sein Interesse und er setzte sich zu mir, um ebenfalls auf die Auflösung zu warten.

Nach weiteren fünf bis zehn Minuten war es dann soweit und besagter Kollege kam raus und ging in sein Büro.

Zwei Dinge zum Abschluss:

  • Der Typ ist für meinen Kollegen und mich auf Lebenszeit gebrandmarkt.
  • Was zum Teufel läuft schief, wenn man wischt, spült, nix macht, wischt, spült, nix macht und irgendwann die Sitzung beendet? Das kann doch nicht wahr sein, oder? Der war mindestens 20 Minuten am Klo. Könnten auch weitaus mehr gewesen sein, weiß ja nicht, wie lange der schon neben mir saß oder wischte.

Ich fürchte, ich bin traumatisiert und hämmere das nächste mal an die Wand, wenn jemand so eine Nummer veranstaltet. Gibt’s ja nicht.

Nur, weil ich mich grad selber frage, wie ich das auf „öffentlichen“ Toilettanlagen mache: Am Flughafen z.B. wo es so an die zehn aneinandergereihte Kabinen mit nicht abgeschlossenen Trennwänden gibt veranstaltete ich mit voller Inbrunst ein Rektalgewitter, um den Platzhirsch zu markieren.
Ne, im Spaß: dort ist es mir völlig egal, scheiß auf Privatsphäre, lass krachen, egal, die Mongos siehst eh nie wieder. Und wenn ja, kennt er meine Duftmarke (und den Lärmpegel).