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Grippe beim Bundesheer

fiebermesser

Als ich beim Bundesheer als Sanitäter meinen Dienst leisten musste, kam es nicht nur in der Grippezeit dazu, dass sich vermehrt Rekruten im Krankenrevier meldeten, dass sie krank wären. Klassischer Fall von einem Abseilversuch – denn wenn man krank ist, darf man natürlich nicht in der Kälte im Schlamm herumrobben oder sonst einen Scheiß draußen machen. Man kann gemütlich im Bett liegen, kriegt das Essen gebracht und muss sich auch körperlich nicht verausgaben.

Klarerweise kamen die Frischlinge meistens zu Wochenbeginn, um dann zum Wochenende hin entlassen zu werden und nach Hause fahren zu können.
Die angegebenen Gründe waren oft Rückenschmerzen, Knieprobleme, Übelkeit (=Scheißerei) oder eben auch Schlappheit, Gliederschmerzen, bla.
Bei Letzteren mussten die Rekruten selbst mit einem Fieberthermometer messen, ob sie Fieber hätten. Ich meine mich zu erinnern, dass ich die manchmal dazu drängen wollte, rektal zu messen, da die Temperatur im Anus oft höher wäre als im Mund. Ich glaube aber, es hat nie jemand gemacht. Und wenn doch – wir haben die Thermometer nie gereinigt. Oder nur selten.

Da fällt mir ein, dass die Rückenschmerzen bei uns auf der Station wegen fehlender Technik nicht nachweisbar waren – deswegen waren sie auch so „beliebt“. Als Therapie bekamen die Jungsoldaten eine 15-minütige Wärmebestrahlung (so ein Holzgestell mit 10-20 Glühbirnen – kein Scherz) und wurden von uns Sani-Rekruten mit Voltaren oder einem ähnlichen schmerzlindernden Zeug eingerieben.
Wir wussten ja aus unserer eigenen Ausbildungszeit (zur Info: jeder Rekrut macht zwei Monate Grundausbildung und bekommt dann eine Funktion für die restlichen sechs Monate. In meinem Fall war das eben Sanitäter), dass man mit allen Mitteln versucht, sich zu drücken. Also bezeichneten wir intern im Krankenrevier alle als Simulanten. Und weil die also eh nix hatten, machte es auch keinen Unterschied, ob die „Rückenschmerzen“ mit Voltaren oder einem Placebo behandelt werden.
Deswegen haben wir diese Drückeberger auch mehrmals mit Hädensa (Hämorrhoidensalbe) eingerieben. Und ihre „Schmerzen“ waren bis Freitag immer wirklich vollends verschwunden. Und da soll noch jemand sagen, dass die Hämosalbe nur für’n Arsch wäre.

Bei den Fieberpatienten war es anders, da galt als Indikator für Genesung die Temperatur – und die wurde von unseren Vorgesetzten gemessen, weil die gesundheitliche Verantwortung nicht in die Hände von uns Dilettanten (das waren wir de facto ja auch – keiner hatte eine medizinische Ausbildung) übergeben werden durfte.

Und so kam es, dass ein Rekrut bei uns am Donnerstag noch erhöhte Temperatur hatte und mich verzweifelt anflehte, ob ich eine Idee hätte, wie er am Freitag nach Hause könne.
Ich meinte, es gäbe schon was, aber das kann und darf ich nicht machen. Und schon war er angefixt.
Nach ein wenig hin und her – ich hatte ja absolut keine Ahnung, wie man Fieber senkt – ging ich ins andere Zimmer zum Medikamentenschrank, nahm eine Spritze raus, zog sie mit der Flüssigkeit aus dem Kübel auf, in dem gerade Mundstücke desinfiziert wurden, ging zurück und hielt sie ihm mit den Worten „Setzen musst Du Dir die aber selber – ich darf das nicht.“ hin.
Nach kurzer Diskussion hatte ich ihn soweit und er griff nach der Spritze. Der hätte sich die wohl echt rein gerammt, hätte ich den Spaß schlussendlich nicht aufgeklärt.
Ich kann mich nicht mehr zu 100 Prozent erinnern, aber ich meine, dass ihn der Vizeleutnant am Freitag mit knapp unter 38 Grad nach Hause mit der Empfehlung zur Schonung entließ.

Einerseits beeindruckend, was Rekruten machen würden, um aus der Kaserne zu kommen (der hatte ja keine Ahnung, was ich ihm da brachte) und andererseits kurios, dass der US-Präsident erst vor kurzem dazu aufrief, man könne Corona bekämpfen, indem man sich Desinfektionsmittel spritzt.

Da ich diese Geschichte hier erstmals schreibe und auch noch so gut wie nie erzählt habe, bin ich mir sicher, dass ich entweder abgehört werde oder meine Gedanken von den Amis extrahiert werden.

In meinem nächsten Beitrag stelle ich eine Bastelanleitung für einen Aluhut rein.

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